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Sporthalle 85. GS | Dresden

Neubau Sporthalle

Objektplanung

Kenndaten
Bauherr
Landeshauptstadt Dresden Schulverwaltungsamt, vertreten durch STESAD GmbH
 
Zeitraum
2020 - 2022
 
BGF | BRI
ca. 855 m²  | ca. 5.440 m³
 
Leistungen
Objektplanung
 
Städtebauliche Einordnung
Der Neubau der Sporthalle ist als eingeschossiger, ebenerdiger und nichtunterkellerter Solitär geplant. Planungsrechtlich erfolgt die Einordnung nach BauBG §34. Ein Bebauungsplan besteht für die Schulliegenschaft der 85. Grundschule nicht. Die Grundrissabmessungen betragen ca. 26,95m x 34,10m. Städtebaulich vermittelt der nutzungsbedingt überhöhte Sporthallenraum mit einer Höhe OK Attika von 7,74 über Gelände mit dem sich anschmiegenden Funktionstrakt mit einer Höhe OK Dach von 4,21m über Gelände zwischen der 3-geschossigen Schule und der neuen Sporthalle. Gegenüber der bestehenden Sporthalle wurde die neue Sporthalle um 90° gedreht, um so die Anforderungen an den Schallschutz in Richtung Wohngebäude im Osten und eine bessere Schulhofabgrenzung im Westen sicherzustellen. Ziel der Planung ist es. den schützenwerten Baumbestand maximal beizubehalten. Das Hallenspielfeld ist entwurfsbedingt Nord-Süd ausgerichtet. Das Hallendach ist nach Osten abfallend als Pultdach für eine optionale Energiegewinnung mittels PV-Modulen geneigt geplant. Die Belichtung der Halle und des Funktionstraktes mit Tageslicht erfolgen nahezu blendfrei vorwiegend über die Westfassade.
Lage
Die Grundschule liegt im Dresdner Stadtteil Hellerau im Norden von Dresden. Das Grundstück wird im Westen von der Hauptzufahrtsstraße „Radeburger Str.“, im Osten von der Anwohnerstr. „Grüne Aue“ begrenzt. Im Süden öffnet sich die Liegenschaft der Schule zu einer topographisch niedrig liegenden landwirtschaftlich genutzten Fläche. Im Norden verschwenkt das Grundstück L-förmig und grenzt an einen Gewerbefläche. Im Übrigen grenzen ruhige Wohnlagen nördlich und östlich an den Schulstandort.
Das Drehen der Sporthalle ermöglicht es die neue Nutzungsverteilung in den Freianlagen und den Schallschutz zur östlichen Wohnbebauung zu verbessern. Es entsteht ein klarer Zugangsbereich der neuen Sporthalle im Gelenk zwischen Schule und Sporthalle. So werden die schulischen Abläufe optimiert und der alte Sporthallenzugang nicht auf einer Gebäuderückseite wie gegenwärtig im Bestand versteckt.
Zuwegung, Ver- und Entsorgung
Das Parken, Hinbringen und Abholen, der Grundschüler durch ihre Eltern, erfolgt bereits im Bestand über die Zufahrt von der Radeburger Str. Fußläufig wird die Liegenschaft darüber hinaus über einen Zugang von der direkt vor der Schule liegenden Bushaltestelle im Westen und über zwei Zugänge im Osten von der Grünen Aue erschlossen. Die beiden östlichen Zugänge mit Toranlagen dienen bisher der Zuwegung durch den Hausmeister und die Feuerwehr. Die als schmale Feuerwehrzufahrt über die „Grüne Aue“ führende Zuwegung entfällt mit der Umplanung. Feuerwehrstellflächen sind ausschließlich außerhalb der Liegenschaft im öffentlichen erforderlich.
Es werden künftig keine Stellplätze und Fahrradstellplätze im Osten der Sporthalle angeboten. Der Zugang für Schüler und Vereine zur Sporthalle führt über den Schulhof. Dieser ist barrierefrei gestaltet. Von hier aus werden die Schule, der Schulhof, die Sporthalle, die Hortflächen, der neue Bolzplatz im Norden und auch die südlichen Sportfreiflächen über einer Treppen-/ Rampenanlage barrierefreie erreicht. Fahrradstelleplätze befinden sich auf dem Schulhof und direkt vor dem Sporthalleneingang.
Von der Schule aus führt eine große Treppenanlage im Norden direkt auf den Schulhof. Im Süden führen zwei Treppenhäuser auf das Freigelände. Im Westen erhält die Schule eine neue außenliegende Aufzugsanlage. Befestigte Wege führen von allen Schulgebäudeaus- und eingängen zur Sporthalle.
Funktion und Gestaltung
Die Sporthalle ist für den Schul- und Vereinssport geplant. Es handelt sich um keine Versammlungsstätte im Sinne der Versammlungsstättenrichtlinie. Die SächsVStättVO gilt nicht. Der Schulbau unterliegt der SächsSchulBauR.
Das Gebäude wird in die Gebäudeklasse 3 eingeordnet (Höhe oberstes Geschoss < 7 m, erdgeschossig), Nutzungseinheit > 400 m²). Damit handelt es sich um einen Sonderbau nach § 2 (4) SächsBO (Nr. 6: Gebäude mit Räumen für mehr als 100 Personen (möglich), Nr. 13: Schule (Schulsporthalle)).
Die Sporthalle sieht einen Regelbetrieb für bis zu 200 Personen und bis zu 5 Mal im Jahr für bis zu 500 Personen für schulische Veranstaltungen (u.a. Schuleinweihung, etc.) vor. Alle räumlichen Belange und technischen Gebäudeanlagen erfüllen die nutzungsbedingten Rahmenbedingungen hinsichtlich Personenzahl und die Anforderungen des Sporthallenbaus an eine Einfeldhalle nach DIN 18032.
Entwurfskonzept
Der Entwurf der Sporthalle fokussiert auf eine kompakte und nachhaltige Bauweise, welche die beschriebenen Rahmenbedingungen am Standort individuell berücksichtigt. Das Bauvorhaben ist in Anlehnung an den Sporthallenneubau der 102.Grundschule der Stadt Dresden als Wiederverwendungsprojekt von der STESAD und dem SVA beauftragt. Es besteht eine Ähnlichkeit zwischen den Sporthallen der 85. Grundschule und der 102.Grundschule. Auf Grund der spezifischen Besonderheiten der Mikrolage wurde die Planung jedoch überwiegend angepasst und standortspezifisch optimiert. Der Neubau gliedert sich in einen Funktionstrakt und die Sporthalle. Die Lichte Raumhöhe der Sporthalle beträgt 5,50m, im Funktionstrakt wird eine lichte Raumhöhe von 3,00m erreicht.
Über den südwestlichen Hauptzugang unter dem Vordach haben Schüler und Vereine Zugang in die Sporthalle. Ein mittiger Flur erschließt als Hauptachse sämtliche Nutzungen im Funktionstrakt und führt nördlich aus der Sporthalle in Richtung Bolzplatz heraus. Über die verglasten Gebäudezugänge gelangt Tageslicht bis in die Flurtiefe. Der stark frequentierte Hauptzugang verfügt über einen Windfang mit Sauberlaufzone, ein Schuhabstellregal sowie eine Wasserentnahmestelle (im Stichflur zur Halle). Es ist ausreichend Platz für Begegnungsverkehr vorhanden. Der nördliche Ausgang aus dem Stichflur kann wahlweise in das Hygienekonzept der Schule als separater Ausgang eingebunden werden.
Entlang des Flures sind alle Nebenräume auf kurzem Wege erreichbar angeordnet. An der Westfassade zum Schulhof befinden sich die Umkleiden, getrennt nach Jungen und Mädchen, mit jeweils 2 Umkleide- und gemeinsamen Sanitärbereichen mit Duschen und Waschplätzen. Mit dieser räumlichen Anordnung können stets zwei Klassen oder zwei Sportvereine die Umkleiden getrennt voneinander nutzen.
Auf der Ostseite des Flures sind das Stuhllager, Besucher-WCs, der Putzmittelraum und der Lehrerraum angeordnet. Der Lehrerraum erfüllt als 1.Hilferaum eine Doppelfunktion. Hier sind auch die wesentlichen elektrischen Bediengeräte der Halle geplant.
Im Süden ist das große Gerätelager an der Stirnseite verortet. Zwei Schwingtore ermöglichen den Zugang zum Geräteraum und das schnelle Be- und Ausräumen von Sportgeräten. Über den witterungsgeschützten Hauptzugang mit Vordach werden die beiden technischen Betriebsräume (Lüftungsanlagenraum, HA-Raum) erschlossen. Von hier aus werden alle Räume effizient erreicht. Medien werden in der Abhangdecke geführt. Das Außengerätelager verfügt auf der Nordseite über eine Außentür mit kurzem Weg zum Bolzplatz.
Als nachhaltige, ressourcenschonende und zügige Bauweise wurde ein Holzbau gegenüber einem Massivbau bevorzugt. Die Herstellungskosten sind in etwa vergleichbar. Der ökologische Fußabdruck und die CO2-Äquivalente sind beim Holzbau jedoch wesentlich günstiger. Zudem wurde in der Planung größten Wert auf Ressourceneinsparung gelegt. Diese Herangehensweise zeigt sich in der mit natürlichen Materialien und Farben gewählten Fassadengestaltung. Holz- und Betontöne dominieren die Fassadengestaltung. Dezent platzierte Verglasungen versorgen die wesentlichen Innenräume mit Tageslicht.
Als gestalterisch verbindendes Element zwischen Sporthalle und Schule ist die farbliche Gestaltung des eingeschnittenen Haupteingangs der Sporthalle vorgesehen. Der gewählte Farbton, vorzugsweise Cyan, soll an beiden Gebäude wiederkehren. Auch die vorgehängten Holz- und Betonfassaden werden als Material und Textur für die Schule seitens ARCHIprocess vorgeschlagen. Die Gestaltungsplanung der Schule ist noch nicht abgeschlossen.
Gegenüber dem Bedarfsplan und dem Entwurf der 102.GS wurde das Raumprogramm weiter optimiert. Von zwei geplanten Behinderten-WC-Anlagen konnte auf Grund der entwurfsbedingten optimalen Anordnung ein behindertengerechtes WC entfallen. Das Stuhllager und die Gerätelager entsprechen der Bedarfsplanung. Ergänzend wurden Lagerflächen zwischen den Hallenstützen hinter der Prallwand an der Gebäudeostseite nutzbar gemacht. Eine Tribüne wurde nicht vorgesehen. Technikräume wurden max. flächeneffizient gestaltet. So ist ein gemeinsamer Hausanschlussraum für ELT und HLSK entstanden. Da Schul- und Vereinseingang gemeinsam genutzt werden, wurden die Spielfeldzugänge vom Flur in die Sporthalle auf einen Eingang reduziert. Hieraus ergab sich eine weitere flächeneffiziente Optimierung der Nutzfläche zur BGF-Fläche indem nicht benötigte Verkehrsflächen entfallen konnten.

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